GEWEBESPENDE

WARUM GEWEBE- UND ORGANSPENDE?

Gewebe und Organspende ist ein sehr persönlicher Dienst an der Menschheit, den jeder von uns leisten kann. Dadurch können wir einem oder mehreren Menschen gezielt und nachhaltig helfen. Auch wir selbst und unsere Angehörigen können jederzeit in die Situation kommen, Gewebe oder Organe von anderen zu benötigen. Gewebe und Organspende ist ein Akt der Nächstenliebe. Daher gebührt allen Menschen und ihren Verwandten, die ihre Organe und Gewebe anderen zur Verfügung stellen besonderer Dank und Anerkennung. Sie helfen damit direkt und einzigartig anderen Menschen und ihren Familien. Sie ermöglichen durch ihre Organspende das Weiterleben oder tragen durch ihre Gewebespende ganz wesentlich zur Wiedererlangung einer adäquaten Lebensqualität für viele Patienten und Ihren Angehörigen bei.

WARUM IST KNOCHENGEWEBE ERFORDERLICH?

Die Gewebespende ist ähnlich der Organspende ein wichtiger Beitrag für die Erhaltung und / oder die Wiedererlangung von Gesundheit und Mobilität. Im Speziellen ist Knochengewebe in den folgenden Fällen erforderlich: durch Lockerung von Endoprothesen, durch Unfälle oder bei angeborenen oder erworbenen Knochenzysten sowie bei Knochentumoren entstehen Defekte im Knochen, welche rekonstruiert oder aufgefüllt werden müssen. Dies kann entweder mit Knochenzement, mit Kunstknochen (Korallen), Rinder- oder Pferdeknochen erfolgen. Am besten jedoch funktioniert die Rekonstruktion mit menschlichen Knochen, da das Kollagengerüst des menschlichen Knochens am schnellsten von körpereigenen Zellen besiedelt und vitalisiert wird.

WIE KANN KNOCHENGEWEBE GESPENDET WERDEN UND WAS GESCHIEHT DAMIT ?

Es besteht die Möglichkeit, Hüftköpfe, welche im Rahmen von Routine Hüftoperationen Patienten entnommen werden, als Gewebespende zu verwenden. Vorraussetzungen dafür sind das Einverständnis der Patienten und der Ausschluss von Kontraindikationen sowie die sachgerechte Behandlung nach den technischen Vorschriften und den ethisch-moralischen Gesichtspunkten.Wird im Rahmen einer Hüftoperation ein abgenützter Hüftkopf entnommen und nicht wie normalerweise verworfen, kann nach Erfüllung oben genannter Voraussetzungen und entsprechender Aufbereitung das gesäuberte Kollagengerüst als Knochentransplantat verwendet werden. Alle Schritte dazu werden nach definierten Standards (SOP´s) und QA-Kriterien durchgeführt (Blutabnahme, Gewebeentnahme, Transport, Testung, Lagerung, Prozessierung und Freigabe). Dabei wird das Gewebe von ECTB mit einem speziellen Prozess gereinigt, sodass alle zellulären und Blutbestandteile aus dem Knochen entfernt werden und dieser immunologisch neutral wird. Dadurch entsteht ein tragfähiges Kollagengerüst zur Wiederbesiedlung mit den körpereigenen Osteoblasten. Trotz Ausschluss aller bekannten Infektionskrankheiten und Kontraindikation sowie einer validierten Virusinaktivierung durch das Prozessier-Verfahren wird der Knochen am Ende des Prozesses strahlensterilisiert. Dadurch wird die höchst mögliche Patientensicherheit gewährleistet.Eine weitere Möglichkeit ist die Entnahme von Knochengewebepräparaten bei verstorbenen Menschen. Diese Vorgangsweise ist eine essentielle Ergänzung zur Hüftkopfspende, da im Rahmen von Hüftoperationen nur geringe Mengen von Knochenmaterial gewonnen werden mit eingeschränkter Qualität, Größe und und Verwendbarkeit. Vorraussetzungen für die Knochenentnahme an Verstorbenen sind neben dem Ausschluss von Kontraindikationen sowie der sachgerechten Behandlung nach den technischen Vorschriften und den ethisch-moralischen Gesichtspunkten dass diese Menschen sich zu Lebzeiten nicht explizit gegen diese Gwebespende ausgesprochen haben. Dies ist gesetzlich durch das so genannte Widerspruchsregister geregelt. Damit hat der Österreichische Staat im Sinner der Österreichischen Bevölkerung eine Regelung getroffen, die es ermöglicht, grundsätzlich lebenswichtige Organe sowie Gewebe anderen Menschen zur Verfügung zu stellen. Im Großteil der europäischen Länder gilt eine derartige Widerspruchsregelung, welche auch verhindern soll, dass illegale Entnahmen in Entwicklungsländern und Organ- und Gewebehandel stattfinden.

BLEIBT DER SPENDER ANONYM?

Spenderanonymität und Rückverfolgbarkeit sind gesetzlich vorgeschrieben und ein absolutes Muss jeder Gewebe- und Organspende. Sie sind durch entsprechende Standardanweisungen und qualitätssichernde Maßnahmen zu gewährleisten. Das bedeutet, dass bei jeder Entnahme ein anonymer Spendercode vergeben wird und der Zusammenhang mit dem Spender selbst nur über die dem Datenschutz unterliegenden Aufzeichnungen der Gewebebank möglich ist. Das Gewebe sowie alle damit zusammenhängenden Proben werden ausschließlich mit diesem Individuellen und anonymen Spendecode gekennzeichnet. Damit ist absolute Anonymität und lückenlose Rückverfolgbarkeit gewährleistet.

ORGANSPENDE

Da in ganz Europa und Weltweit nach wie vor viele Menschen auf den Wartelisten für Organtransplantationen stehen und viele von ihnen dabei versterben, ist man in Österreich bestrebt, die positive Einstellung der Menschen zur Organ- und Gewebespende zu fördern und zu erhöhen. Daher hat sich Österreich sowie viele andere europäischen Länder vor Jahren dazu entschlossen, mit der so genannten Widerspruchsregelung die Möglichkeit zu schaffen, dass sich Menschen zu Lebzeiten gegen eine Organspende aussprechen können. Menschen die sich zu Lebzeiten nicht gegen eine Organ- oder Gewebespende aussprechen, können nach ihrem Tod Organe und / oder Gewebe entnommen werden – natürlich unter Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften und Rahmenbedingungen und unter strengsten ethisch-moralischen Gesichtspunkten. In der Regel werden in Österreich auch die Angehörigen über eine geplante Organ- und / oder Gewebespende informiert, soweit dies möglich ist. Sollte dabei der Wunsch ausgesprochen werden, diese nicht durchzuführen, wird in der Regel davon abgesehen. In einigen EU Ländern (beispielsweise Deutschland und Niederlande) gilt die so genannte Zustimmungsregelung, das heisst Menschen können sich zu Lebzeiten als potentielle Organ- und Gewebsspender registrieren lassen. Diese Regelung hat aber zur Folge, dass die Organ- und Gewebsspende in diesen Ländern doch deutlich weniger häufig stattfindet als beispielsweise in Österreich oder Spanien. Diese restriktive Regelung führt in gewissem Maße auch dazu, dass Menschen aus westlichen Industrieländern in Entwicklungsländer reisen, um sich illegal entnommene Organ- und Gewebeteile verpflanzen zu lassen. Dieses Problem unterstreicht um so mehr die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit, offen über dieses Thema zu sprechen und umfassend zu informieren.

Folgende Einrichtungen organisieren Organentnahmen und -Transplantationen in Österreich: